Pilotprojekt Standort- und Gemeindeentwicklung St. Georgen am Kreischberg
Projektträger:
Gemeinde St. Georgen am Kreischberg
St. Georgen ob Murau 45
A-8861 St. Georgen am Kreischberg
T: +43 3537/221
gde@st-georgen-kreischberg.gv.at | www.st-georgen-kreischberg.gv.at
Förderungswerber/in:
Gemeinde St. Georgen am Kreischberg
St. Georgen ob Murau 45
A-8861 St. Georgen am Kreischberg
T: +43 3537/221
gde@st-georgen-kreischberg.gv.at | www.st-georgen-kreischberg.gv.at
Förderprogramm:
Projektbeschreibung
Ausgangssituation und Problemstellung:
St. Georgen am Kreischberg verzeichnet schon seit 2001 einen Bevölkerungsrückgang von -15 % Der Bezirk Murau gilt als die Region mit der stärksten Abwanderung in der Steiermark. Auch die Prognoserechnungen zur demografischen Entwicklung stellen sich negativ dar.
Mit dem Rückgang der 15- bis 64-Jährigen schwindet auch die Anzahl der Leistungsträger im Dorf, welche sich für die generelle Sozialisation des Ortes, aber auch die Qualität des Vereinslebens und der Dorfgemeinschaft und vieles andere mehr verantwortlich zeichnen. Wenn diese Gruppe schwindet, verringern sich auch die Leistungskraft und die Authentizität des Ortes.
Um diesem Trend entgegen zu wirken, erscheint es dringend notwendig aktiv eine gesamthafte Strategie zur nachhaltigen Sicherung und Ausbau des Wohn-, Tourismus und Arbeitsstandortes einzuleiten. Andererseits ist St. Georgen am Kreischberg die attraktivste Tourismusdestination im gesamten Bezirk Murau und verzeichnet rund 335.000 Nächtigungen pro Jahr. Trotz dieses touristischen Potentials kann die Gemeinde nur eine geringe touristische Wertschöpfung daraus erzielen. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass sich der Tourismus hauptsächlich auf Chalets und Ferienwohnungen stützt. Damit können aber keine breite touristische Wertschöpfung und adäquate Arbeitsplätze, wie mit klassischen Hotelinfrastrukturen und anderen touristischen Diversifikationen generiert werden. Zudem haben Ferienwohnungen und Chalets einen hohen Bodenverbrauch, der die Preise für Bauland in die Höhe treibt und Bauplätze für Einheimische verteuert. Erschwerend kommt hinzu, dass durch die gegebene Situation mit dem steiermärkischen Tourismusgesetz auch keine Einnahmen aus der Fremdenverkehrsabgabe direkt im Ort verbleiben.
Ziele und Zielgruppen:
Das Projekt soll als Pilotprojekt für die Tourismusgemeinde St. Georgen am Kreischberg neue Wege zur Entwicklung aufzeigen, um den Ausbau des Tourismus und die Lebensqualität für Einheimische gleichermaßen in Einklang zu bringen und die typische Dorfgemeinschaft und das rege Vereinsleben zu erhalten. Daneben soll auch in Zukunft leistbarer Wohnraum für junge Familien zur Verfügung stehen, um einer Gentrifizierung entgegenzuwirken.
Schaffung von leistbarem Wohnraum
Weiterentwicklung des touristischen Angebots über das gesamte Jahr
Verbesserung der touristischen Wertschöpfung
Erhöhung der Lebensqualität
Smarte Mobilitätslösungen
Grüne Energie
b) Die Projektzielsetzung ist einem der folgenden Aktionsfelder zuzuordnen:
Ziel 3: Stärkung der für das Gemeinwohl wichtigen Strukturen und Funktionen
Projektzusammenfassung (Geplante Maßnahmen, Aktivitäten, Outputs, …):
Das gesamte Projekt ist ein mehrstufiger Prozess, der von externen Beratern und Sachexperten begleitet wird und in etwa folgendem Ablauf folgt.
1. Erhebung der Ausgangslage in Zusammenarbeit zwischen Gemeindeamt, Stakeholdern und externer Beratungsfirma
a. Einholen von statistischen Daten (Bevölkerung, Steueraufkommen, Betten, etc.)
b. Auswahl von Repräsentanten aus allen Schichten der Bevölkerung als Inputgeber
c. Ableitung von Maßnahmen durch externe Berater und Planung der nächsten Schritte
2. Durchführung von Workshops mit aktiver Beteiligung der ausgewählten Repräsentanten
a. Ideensammlung
b. Schwerpunktsetzung
c. Gliederung und Strukturierung
3. Analyse der gesammelten Inputs, Aufbereitung der Daten und Ableitung von Handlungsempfehlungen und weiteren Schritten zur Umsetzung durch Berater
4. Präsentation der Ergebnisse in einem Open Space vor der ganzen Bevölkerung und Einholung von Feedback
5. Weitere Beratungen in den Gremien und konkrete Umsetzung im Gemeinderat
Als Ergebnis erwartet sich die Gemeinde einen breiten Katalog an Maßnahmen zur Entwicklung und eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung.
Konkret wurde bisher bereits umgesetzt:
- Netzwerk „Gemeinsam g´sund“
- Magazin „Gemeinsam g´sund“
- Abhaltung der 1. Gesundheitsmesse in der Kreischberghalle
- E-Bike Training für Einheimische
- Verein zur Förderung von Brauchtum und Kultur
- Wiederaufnahme des Lorenzimarktes am 10. August
- Arbeitsgruppe kinder- und familienfreundliche Gemeinde
- Pflanzung des ersten Lebensbaumes für die Neugeborenen des Jahrgangs 2023
- Gestaltung der Bücherzelle beim Bahnhof
- Nachhaltiges Flächenmanagement St. Georgen am Kreischberg
- Kooperation von Gemeinde, Raiba Murau und ISK-Institut
- Entwicklung und Implementierung des Wohn- und Bodenservice St. Georgen
- Bildung einer Arbeitsgruppe der Gemeinde– als integrativer Bestandteil der Gemeindepolitik und Verwaltung – die sich um die finanziellen und touristischen Interessen und deren Zusammenarbeit kümmert
- Festlegung zur Ausarbeitung eines gesamthaften Verkehrs- und Mobilitätskonzepts
- Aufbau einer professionellen Gemeindekommunikation
- Festlegung zur Ausarbeitung eines ortsräumlichen Entwicklungskonzepts
Unter dem Motto „Gemma´s an“ wurde in der Gemeinde St. Georgen am Kreischberg ein Beteiligungsprozess gestartet, um Leitlinien der Gemeindepolitik für die kommenden Jahre festzulegen. Und das gemeinsam mit allen Bürgerinnen und Bürger, die die Zukunft gestalten wollen. Este Umsetzungen zeigen: Gemeinsam ist vieles möglich!
Das ISK Institut aus Dornbirn, das schon mehrere solche Prozesse durchgeführt hat, hat das fünfstufige S5-Programm entwickelt, bei dem zunächst der Ist-Zustand erhoben wird. Darauf aufbauend werden individuelle Ziele und Lösungswege für die Gemeinde erarbeitet und die notwendigen Maßnahmen von den Gemeindegremien beschlossen. Am Ende steht ein Masterplan, der der Gemeinde als Grundlage und Leitlinie für ihre zukünftige Arbeit dienen wird.
Unterstützt wurde das Vorhaben von der LEADER-Region Holzwelt Murau, die in ihrer Entwicklungsstrategie auf eine starke Region mit starken Gemeinden abzielt. Die Holzwelt fördert die gezielte Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Es geht darum, eine Kultur zu stärken, in der möglichst viele voneinander lernen und miteinander wachsen können. Die Holzwelt Murau schafft hier den Rahmen für Beteiligung und damit ein ‚Wir‘ für die Zukunft entstehen kann.
Eine gute Einbindung der Bürgerinnen und Bürger ist entscheidend für das Gelingen des Projekts. Daher wurde das Projekt seitens der Gemeinde von einer Steuerungsgruppe aus Mitgliedern aller Fraktionen begleitet. Nach dem Projektstart im März 2024 mit über 200 Personen in der voll besetzten Kreischberghalle haben im Anschluss Arbeitsgruppen (ca. 70 Personen) in mehreren Runden die Stärken und Schwächen der Gemeinde und Fragen wie Ortsteilentwicklung, Bodenpolitik und Flächenmanagement, Verkehr und Mobilität, Tourismus, Bildung, Kinderbetreuung und vieles mehr diskutiert. Dabei wurden Problemfelder, Ziele und etwaige Lösungsansätze gesammelt. Im April und Mai 2024 wurde zusätzlich eine Onlinebefragung über die Zufriedenheit mit dem Leben in der Gemeinde und über mögliche Verbesserungen durchgeführt. Im Juni 2024 fand eine groß angelegte Veranstaltung im Open-Space-Format statt, um noch einmal Themen innerhalb der Handlungsfelder mit der heimischen Bevölkerung zu diskutieren und zu überprüfen, ob die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen und aus der Befragung in breiteren Schichten auf Zustimmung stoßen bzw. in welchen Bereichen nach geschärft werden muss oder kann. Die Abschlusspräsentation mit anschließender Beschlussfassung durch die Gemeindepolitik fand im Jänner 2025 statt.
Der Prozess wurde durch ein umfassendes professionelles Kommunikationskonzept begleitet, denn die rege Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger ist entscheidend für die Qualität der Entscheidungen, die am Ende getroffen werden.
Erste Ergebnisse während des laufenden Prozesses wurden durch das neu entstandene Netzwerk „Gemeinsam g’sund“ erzielt, das die medizinischen und gesundheitlichen Angebote koordiniert und kommuniziert. Eine erste themenspezifische Publikation wurde den Bürgerinnen und Bürgern bereits zugestellt und erstmalige eine Gesundheitsmesse in der Kreischberghalle veranstaltet. Auch die Verbesserung der Infrastruktur zur Wiederbelebung von Festivitäten im Dorf konnte schon erreicht werden und wird bereits in diesem Jahr für den wiederbelebten traditionellen „Lorenzimarkt“ genutzt, für den sich im Zuge des Beteiligungsprozesses eine eigene Arbeitsgruppe zusammengefunden hat. Maßnahmen in den Bereichen Gemeindefinanzen, Bodenpreise und Flächenmanagement, Tourismus, Verkehr und Infrastruktur, die eine längere Vorlaufzeit, komplexere Strukturen und langfristige Auswirkung haben, werden aktuell erarbeitet.
Der während des Prozesses erarbeitete Masterplan bildet das Fundament für fundierte und stabile Leitlinien der Gemeindepolitik, auch wenn nicht jede einzelne Idee umgesetzt und nicht jeder Wunsch erfüllt werden kann. Wesentlich ist es, ein Klima zu schaffen, in dem sich Einzelne gehört, verstanden und willkommen fühlen und in dem es möglich ist, im Sinne einer guten Zukunft gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Der Beteiligungsprozess bildet eine Erweiterung der traditionellen Gremien (Bürgermeisterin und Gemeinderat), die sich zum Tragen der gemeinsam gefällten Entscheidungen für die zukünftige Gemeindepolitik verpflichtet hat. Somit gibt auch ein politisches Commitment, die letztlich erarbeiteten Maßnahmen offiziell zu beschließen und in die Tat umzusetzen.